Basisgedanken im Familienrudel

von Manfred Hardtke

Vorbemerkungen

Jeder von uns spürt es und kann sich in der Literatur rückversichern:
Normalerweise leben Mensch und Hund recht gesellig. Ihre soziale Veranlagung bestimmt das Lebensprinzip als Gruppe: eine kleine, soziale Gemeinschaft, welche wir als Paar, Familie, Team oder Rudel bezeichnen.

Zum Autor
Foto des Autoren Manfred Hardtke

Manfred Hardtke, 57 J., arbeitet als professioneller Hundetrainer und war ein Viertel Jahrhundert ehrenamtlich Chefausbilder eines Hundevereins. Er gehört zu den sogenannten „Stillen“ der Branche, die nie viel Aufhebens um ihre Person gemacht haben. Die Stillen – Sie kennen Anna Netrebko ohne je in der Oper gewesen zu sein, aber kennen Sie z. B. H. Thieltges, ein stiller Stern seines Metiers?
Immenses Wissen und Verständnis, Feingefühl, Einfühlungsvermögen, klare Befehle, unmissverständliche Körpersprache haben Manfred Hardtke zu einem der ganz Großen der Kynologie und der Hundeausbildung gemacht.

Dabei ordnet sich auch das Rudelleben der Hunde nach bestimmten, festgelegten Regeln. Das Ziel liegt in der Herausbildung einer Rangordnung, welche den sozialen Status jedes Mitglieds innerhalb der Gruppe widerspiegelt. Diese hierarchisch geordnete Rudelstruktur ist in den Erbanlagen der Hunde fest verankert. Genetisch bedingte Verhaltensformen sind nicht nur das Erbe wölfischer Überlebensstrategien.

Einleiten oder Unterlassen von Aktivitäten und Reaktionen der (beiden) jeweils beteiligten Sozialpartner demonstrieren ⁄ erfragen Rangunterschiede und individuelle Freiräume.
Mit seiner verfügbaren Lebenserfahrung trifft folgerichtig der Ranghöhere viele wichtige Entscheidungen in der Gruppe; das Akzeptieren bestätigt seinen augenblicklichen Status zum Nutzen des Rudels; einer Ablehnung folgen meistens angemessene Interaktionen. Bei den zahlreichen Sozialkontakten der gemeinsam Lebenden untereinander erfolgt ein ständiger Informationsaustausch zu den Positionen und den Bindungskräften innerhalb der Rudelstruktur.


Auch unser Hund ordnet ständig die aktuellen Informationen seiner Sozialpartner, um so die unverzichtbare Hierarchie oder zumindest die daraus abgeleiteten Ansprüche erkennen und beantworten zu können. Ist ihm dies, aus welchen Gründen auch immer, nicht (eindeutig) möglich,

  • wird er seine Gruppenregeln durchsetzen, oder
  • wird er die Gruppe verlassen ⁄ ignorieren, oder
  • wird er psychische ⁄ körperliche Schäden erleiden

Bei allen Sozialkontakten sollten wir unserem Hund konsequent, situationsbezogen und möglichst unverschlüsselt übermitteln, welche Position ihm durch die Gruppe zugeordnet ist, um so das vertrauensorientierte Potential zu festigen. Aber wie erfolgt die Umsetzung in die Praxis?

Hundegruppen weisen uns, auf ihre Art, den Weg!