Die Magendrehung (Torsio ventriculi) beim Hund


Risikofaktoren für die Entwicklung der Magendrehung

Lange Zeit hatte ich das Thema "Magendrehung" mit einem Schulterzucken und der Überzeugung abgetan:"Mein Hund nicht! fest überzeugt, seine freie Futterverfügung sei allein schon Prävention genug. Nun nahm die Magendrehung nicht nur weltweit, sondern auch in nächster Nähe beängstigend zu. Diese Tatsachen ließen mich nach den Anamnesen und den Ursachen forschen, mit der erschreckenden Erkenntnis, genau so leicht könne es auch unseren Hund treffen.

Manches schwappt mit einiger Verspätung aus Nordamerika nach Europa oder good old Germany herüber und so scheint es auch bei der Magendrehung zu sein. In den USA soll sich in den letzten 30 Jahren die Magendrehung um 1500% gesteigert haben. Dort ist Magendrehung nach Krebs die zweit häufigste Todesursache.

Hier wird versucht, neuere Erkenntnisse zur Magendrehung auswerten und zusammenzufassen. Ich beziehe mich fast ausschließlich auf Studien nordamerikanischer Kliniken und Tierärzte, nach dem Jahr 2000 veröffentlicht. Aus dem deutschsprachigen Raum stand mir nur die Studie von Petra Hellweg und Jürgen Zentek (Institut für Tierernährung der Freien Universität Berlin, Fachbereich Veterinärmedizin) (Magendrehung.pdf, 133kb ) zur Verfügung.

Die Magendrehung ist ein multifaktorielles komplexes Geschehen, ihre Ursache lässt sich nicht an eine oder zwei gesicherten Noxen manifestieren.


Alter der Hunde

Mit jedem Lebensjahr steigt das Risiko einer Magendrehung um 20%, bei Hunden über 7 Jahren ist es mehr als doppelt hoch wie zwischen dem 2-4 Lebensjahr.

Genetische- oder Rasse bedingte Einflüsse

Es gibt eine eindeutige Verbindung zwischen der Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Magendrehung und den Rassen und dem Körperbau des Hundes. Die Magendrehung tritt häufiger bei großen Rassen mit tiefer und schmaler Brust auf, mit der Gewichtung auf: tiefe und schmale Brust. Nach einer Studie der School of Veterinary Medicine Purdue University besteht für die Dogge ein 41,4 höheres Risiko als für ein Mischling.

 Das Risiko-Ranking der Rassen 
1.Deutsche Dogge41.4
2.Bernhardiner21.8
3.Weimaraner19.3
4.Irisch Setter14.2
5.Gordon Setter12.3
6.Standard Pudel8.8
7.Basset5.9
8.Dobermann5.5
9.Bobtail4.8
10.Deutsch Kurzhaar4.6
11.Neufundländer4.4
12.Deutscher Schäferhund4.2
13.Airedale-Terrier4.1
14.Malamute4.1
15.Chesapeake BayRetriever3.7
16.Boxer3.7
17.Collie2.8
18.Labrador Retriever2.0
19.Springer Spaniel2.0
20.Samoyede1.6
21.Dackel 1.6
22.Golden Retriever1.2
23.Rotweiler1.1
24.Mischlinge1.0
25.Klein-Pudel 0.3

Abweichend Ergebnisse nennt die Studie von E. Switzer und I. Nolte „Ist der Mischling wirklich der gesündere Hund? (Klinik für kleine Haustiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover)

 abweichende Ergebnisse aus Deutschland  
1.Deutscher Schäferhund17,2%
2.Mischlinge14,9%
3.Dogge11,8%

An dieser Stelle sei daran erinnerte, dass der Zucht der Rassehunde oft ein sehr kleiner Genpool zu Grunde lag oder liegt. Dies könnte einen Erklärung für die unterschiedliche Prävalenz in den USA und Deutschland sein.

Verwandtschaft 1. Grades

Weiterhin haben nach der Studie der Purdue University Hunde mit Verwandten 1. Grades, die eine Magendrehung hatten, ein um 63% erhöhtes Risiko, selber zu erkranken. Es mehren sich in den Zuchtverbänden der USA Stimmen, die einen generelle Ausschluss der betroffenen Hunden von der Zucht fordern, andere Hunde werden in jungen Jahren prophylaktisch (Gastropexie) operiert.

Geschlecht

Es erkranken deutlich mehr Rüden an Magendrehung als Hündinnen. Der Einfluss einer Kastration auf die Erkrankungshäufigkeit wird vermutet, ist aber statistisch noch nicht bewiesen.