Parasiten beim Hund

Der renommierte Tierarzt Dr. Josef Meurer
beantwortet Fragen zum Thema Parasiten

HF: Welche Hinweise zur tierärztlichen Kotuntersuchung auf Wurmbefall sind wichtig? Kann der Hundehalter ein genaueres Ergebnis beeinflussen?
Dr. Meurer: Die ideale Kotuntersuchung beinhaltet drei Kotproben innerhalb eines Zeitraumes von einer Woche zu untersuchen, die aus verschiedenen Stellen des Kotes stammt. Das ist statistisch am sichersten. Ich halte eine vierteljährliche einfache Untersuchung für ausreichend, weil der Verwurmungsgrad nicht so hoch ist, wie oft dargestellt.

HF: Reichen die auf die Haut aufzutragenden Präparate aus, um eine Freiheit des Hundes auch von Milben und Endoparasiten zu gewährleisten?
Dr. Meurer: Das hängt vom aufgetragenen Präparat ab. Nur Advocate und Stronghold haben eine Wirkung gegen einen Teil der Rundwürmer und gegen Demodex=Grabmilben und Sarcoptes=Räudemilben. Gegen Herbstgrasmilben helfen sie nicht. Die Entwurmung ist nur teilweise sichergestellt. Alle anderen auf dem Markt befindlichen Präparate wirken nur gegen Flöhe und⁄oder Zecken.

HF: Bei der Vielzahl von Wurmarten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien - welche Wirkstoffe helfen da auf verträgliche Weise und nach welchem Zeitplan?
Dr. Meurer: Als sicher gelten Fenbendazol wie Panacur oder Telmin in einer Gabe über 3 oder 5 Tage, ebenso Drontal plus einmalig. Für die Entwurmung gegen Würmer, die direkt auf den Menschen übertragbar sind hilft genauso gut Banminth, das ich für sehr gut verträglich halte. Fast jede Firma propagiert ihr eigenes Mittel als bestes. Es gilt wie bei jedem Medikament: Das Tier muss es einnehmen, es vertragen und der Besitzer es in der richtigen Dosis und Dauer eingeben, dann ist es wurmarm. Eine Sicherheit gibt es nur vorübergehend. Die verschiedenen Würmer entwickeln sich innerhalb von mindestens 3 bis zu 12 Wochen, das heißt, wenn sie ihr Tier heute entwurmen, kann es am nächsten Tag Wurmstadien aufnehmen und nach der entsprechenden Zeit reife Stadien ausscheiden. Allerdings gilt ein Entwurmungszyklus von 4x jährlich als ausreichend. Je jünger die Familienmitglieder, desto sorgfältiger sollte die Entwurmung erfolgen.


Symbolischer Schutz des Hundes

HF: Welche gesundheitlichen Besonderheiten des Hundes (Medikamente ⁄ Krankheiten usw.) könnten sich einschränkend auf eine Wurmkur bzw. einzelne Wirkstoffe auswirken?
Dr. Meurer: Chronische Magen–⁄Darmerkrankungen können die Aufnahme der Medikamente erschweren oder zu Unverträglichkeiten führen. Die Einnahme mit dem Futter ist meistens verträglicher. Für alle anderen Erkrankungen und bei Medikamenteneingabe gilt: Ihr Tierarzt weiß am besten, welche Medikamente individuell für Ihr Tier kombiniert werden dürfen.

HF: Gibt es spezielle Hinweise für die Parasitenbekämpfung bei "Besuchshunden"? Sollte das Personal der Pflegeheime nach unseren Besuchen sicherheitshalber desinfizierend reinigen (Hände der Senioren, Kleidung usw.) oder überlassen wir das dem Selbstlauf?
Dr. Meurer: Der Verwurmungsgrad innerhalb der Hundepopulation wird häufig überschätzt. Bei normalem Umgang mit den Tieren ist eine Ansteckungsgefahr sehr gering. Eine Desinfektion ist nur bei immungeschwächten und alten, kranken Menschen sinnvoll. Allerdings macht eine Flohvorbeuge am Tier Sinn, da diese erstens häufig und zweitens leicht zu übertragen sind. Andere Krankheiten werden meiner Meinung nach eher von Mensch zu Mensch als von Hund zu Mensch übertragen.

HF: Gibt es Möglichkeiten, den sogenannten "hundeüblichen Geruch" (Fell, Augen, Ohren, Fang, Analregion bei feuchtem Wetter bzw. ungünstiger Ernährung u.ä.) kurzfristig zu reduzieren?
Dr. Meurer: Gegen Geruchsbelästigung durch Hunde hilft: Mit Spezialshampoo baden, wenn das Fell stinkt, z.B. im Sommer bei häufigem Baden in Gewässern. Hier nützt auch sommerliches Scheren eines langen Fells. Regelmäßige Zahnsteinentfernung und Politur gegen Mundgeruch. Ohren reinigen mit Spezialreinigern, wenn die Ohren stinken. Kommt dies häufig vor, an Allergie denken. Reden Sie mit Ihrem Tierarzt. Eventuell Futter umstellen. Manches Futter führt zu unangenehmen Ausdünstungen und das ist durchaus bei gleichem Futter von Hund zu Hund unterschiedlich. Einfach eine Woche Kartoffeln und Fisch füttern. Stinkt er dann weniger, liegts am Futter. Augen stinken seltenst. Da sollte man gleich zum Tierarzt.

HF: Sollte ein Hundeverein die Mitglieder und Gäste nach dem aktuellen Stand der Parasitenbekämpfung bei ihren Hunden befragen oder sich diesen nachweisen lassen?
Dr. Meurer: Eine Flohprophylaxe halte ich für sinnvoll. Wer seinen eigenen Hund schützt, schleppt erstens keine Flöhe ein und zweitens bekommt er keine. Dasselbe gilt für Würmer. Die wirklich Unvernünftigen würden auf Nachfrage sowieso lügen, oder?

HF: Welche Anzeichen beim Hund signalisieren einen bedrohlichen Parasitenbefall und rechtfertigen einen sofortigen "Platzverweis" (Schlittenfahren und Wurmteilchen am After, sichtbarer Flohbefall)?
Dr. Meurer: Sichtbare Bandwurmglieder oder Flohkot⁄Flöhe am Hund sollten eine rasche Behandlung nach sich ziehen und bis zur Behandlung ist der Kontakt zu Artgenossen eher unappetitlich. Schlittenfahren hängt fast immer mit Problemen der Analbeutel oder allergischen Prozessen zusammen und selten mit Wurmbefall. Der Gang zum Tierarzt gibt Aufklärung

HF: In welchem Zeitstabstand zur jährlichen Impfung soll entwurmt werden?
Dr. Meurer: Wer im Rahmen einer Impfung entwurmt, sollte dies etwa 2–4 Wochen vorher tun. Bei einer nicht kastrierten Hündin immer nach einer Läufigkeit, weil hormonell bedingt Wurmlarven aus der Muskulatur freigesetzt werden.

HF: Gibt es tierärztliche Erfahrungen bei der Bekämpfung von Grasmilbenbefall mit Niem–Produkten? (Neem)
Dr. Meurer: Ich habe selbst keine Erfahrung mit Neembaumöl gegen Herbstgrasmilben gesammelt. Eine Wirkung ist denkbar. Ich rate dazu, es auszuprobieren. Gegen Hausstaubmilben wirkt es ja auch. Ich selbst lasse bei nicht zu starken Beschwerden die Füße mit Öl einreiben. Das ist ungiftig beim Ablecken, verstopft die Atemporen der Milben. Jedesmal vor dem Spazierengehen in der Zeit von Juli bis Oktober.


Herr Dr. Meurer, Hundefarben bedankt sich herzlich  für die detaillierten Antworten.

Die Fragen stellten Manfred Hardtke und C. Stach