| Redensarten und Redensartliches rund um den Hund ihre Herkunft und ihre Bedeutung Die enge Verbundenheit des Hundes mit dem Menschen spiegelt sich in der Häufigkeit, in welcher der Hund in Geflügelten Worten und Redensarten vorkommt ebenso wider, wie der gesellschaftliche Status des ältesten Haustiers zu der Zeit, als sie entstanden sind. Die meisten heute noch gebräuchlichen Redensarten stammen aus dem (ausgehenden) Mittelalter und der frühen Neuzeit, als der Hund meist als gering erachtet wurde. Zu der Zeit war "Hund(t)" auch ein Synonym für einen Schatz (1) oder Beute und eine Lore im Bergbau.(1,) Der Hund als Symbol des Teufels, des Verächtlichen und des Unreinen in der Bibel (z.B. Off: 22, 15) dürfte bei der Entstehung deutscher Redensarten ein Rolle gespielt haben. (2) Durch den bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts verbreiteten Aberglauben, der Teufel könne durch seine direkte namentliche Nennung herbei gerufen werden, verwendete man Synonyme und Umschreibungen – der Hund war eine davon. Das Wort "zynisch" (umgangssprachlich ein Synonym für verletzend-spöttisch, bissig) ist aus dem griechischen Wort kynisch entstanden. (2, 3) Uns ist Kynologie als die Lehre vom Hund bekannt.
Cave Canem! — (Hüte dich vor dem Hund)Es ist die älteste bekannte Redensart über den Hund. Die Warnung war im Römischen Reich in den Eingangshallen vieler Häusern zu finden, oft als Mosaik, wie es durch die Ausgrabungen von Pompeji belegt ist.
Das also war des Pudels Kern! — (Ursache oder Wesentliches, das sich plötzlich offenbart)Zitat aus Faust 1. Teil, im Studierzimmer. (11)So äußert sich Faust, als sich der Pudel in Mephisto zurückverwandelt. Es ist eines der prominentesten Beispiele in der deutschen Literatur für die Symbolik des Hundes für Hölle und Teufel. Diese Metapher wurde schon seit der Antike benutzt. (Aupet, Anubis, Cerberus) Da liegt der Hund begraben! — (.... findet man die Antwort, den Sinn, das Übel)Eine hübsche und sehr romantische Geschichte rankt sich um den Hund Stuczel aus Winterstein in Thüringen. Er soll während des 30-jährigen Krieges als Liebesbote gedient und auf einem dieser Botengänge versehentlich von einem Jäger erschossen worden sein. Die Trauer des Herrchens und des Frauchens um den Hund war so groß, dass sie ihm ein Denkmal setzten. Die Geschichte sprach sich schnell herum und da ein Hundedenkmal außergewöhnlich war, lockte es viele Besucher an. Nach dem Weg gefragt, sollen die Wintersteiner nur müde gedeutet haben: "Da liegt der Hund begraben."(4, 5) Von einem Denkmal für einen treuen Hund mit ähnlicher Geschichte wird aus St. Veit, Österreich berichtet. (13) Eine andere Auslegung, vergrabene Schätze (Hunde) würden von einem Schwarzen Hund bewacht, kommentiert der Duden (6) « [...] dass verborgenen Schätze von einen Hund (hier ist wohl eigentlich der "schwarze Hund im Sinne von "Teufel" gemeint) bewacht werden, dann bleibt unklar, warum der Wächter mit dem bewachten Schatz gleich gesetzt worden ist. » Kommt die Redensart aus der freien Reichsstadt Nürnberg? Während des Baus des Rathauses ging der Stadt das Geld aus. Sie ließ das in massiver Bauweise begonnene Gebäude, in minderer Qualität vollenden. Der Baumeister, über den ihm aufgezwungen Fachwerkstil erbost, ließ den Hund, den er in seinem Wappen führte, in Stein hauen und als Zierde in den letzten Teil des Massivbaus einsetzen. (13) Hier bekam die Redensart eine neue Bedeutung im Sinne: « Man kann in einer angefangenen Sache nicht weiter gehen, weil unübersteigliche Hindernisse eingetreten sind.» Oder stand die Sitte aus Brandenburg, unter der Schwelle von Pferdeställen blinde Welpen als Hüter der Pferde-Gesundheit zu begraben, Pate für diese Redensart? Ähnliches wird aus Berlin berichtet, wo man im Fundament alter Häusern als Symbol der Wachsamkeit, des Glücks und der Fruchtbarkeit Hund, Hase und Eier eingegraben fand. (14)
Auf den Hund kommen — (heruntergekommen oder verarmt sein)Die häufigste Erklärung im Internet erscheint mir wenig glaubhaft und könnte durch "copy and paste" ihre Verbreitung gefunden haben: Auf dem Boden von mittelalterlichen Geldtruhen sei ein Hund abgebildet, um potentielle Räuber abzuschrecken oder den Besitzer zur Sparsamkeit zu ermahnen. Fast immer ist von einer Truhe die Rede, also einem größerem Behältnis. Der Besitz von so viel Geld, zu einer Zeit als der Tauschhandel und die Bezahlung in Naturalien noch blühte, scheint wenig wahrscheinlich und dürfte sich auf reichste Fürsten beschränkt haben. Als kleinere Behältnisse waren die Schatulle und die Kassette absolut bekannt. In Lessings "Minna von Barnhelm"(12) passten 500 Louisdor, ein immenser Reichtum, durchaus noch in ein "Beutelchen.". Bei anderen Autoren beherbergten die Truhen Lebensmittelvorräte (auch nicht wahrscheinlich) Die Wäschetruhe ist uns heute noch geläufig. Sie war der sichere Hort der Aussteuer, der Mitgift, eines sorgsam gehüteten Schatzes und der Stolz der Ehefrauen. Nach manchen Interpretationen habe der Hund auch ein verborgenes Geheimfach "bewacht."(7) Denkbar wären auch folgende Deutungen: - dass der Hund in der Rangfolge der Zugtiere (Pferd, Ochse und Kuh, Esel, Hund) das schwächste Glied bei den Zugtieren auf dem flachen Land(!) ist und durch die Redewendung die Verächtlichkeit ausgedrückt wird, sich nichts besseres als einen Hund leisten zu können (7)
- ein Hund als Sexualpartner herhalten musste. (8)
- ein altgriechisches Würfelspiel, bei dem der "Hund" ein sehr schlechter Wurf war
(1, 9, 10, 14) - dass als Strafe der Hund (Lore) untertage gezogen werden musste
(1, 9, 10) - mundartlich für "drunten sein" oder "hund" sein. (9, 10, 14)
Auf den Hund gekommen, auch im Sinne der Redensart, wäre beinahe auch der große Meister des feinsinnigen Humors und Cartoonist Loriot, als er auf Druck der Kirche 1954 bei einer großen Wochenzeitschrift wegen 44 "liebloser Zeichnungen" gefeuert wurde. Welch ungeheuerliche Blasphemie, Hunde als Menschen darzustellen—so lautete das Urteil über den heutigen Klassiker der feinen, scharfen und liebevollen Beobachtung. Mit dem Wandel des Status der Hunde in den letzen Jahrzehnten, wird die Redensart heute eher in dem Sinn gebraucht: "Na, auch einen Hund angeschafft?" und verliert mehr und mehr ihre ursprüngliche Bedeutung.
Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt! — (Ausdruck größter Verwunderung)Die Redensart soll auf einen Streich von Till Eulenspiegel zurückgehen, als er sich als Geselle in Einbeck¹ in einer Brauerei verdingte. (Streich Nr. 45 im Projekt Gutenberg) Sein Meister befahl ihm, den Hopfen mit Sorgfalt zu sieden. Leider hatte dieser Meister einen bedauerlichen Hund namens Hopf. Und dieser arme Hund namens Hopf landete statt des Hopfens in der Braupfanne. (7) ¹ Zu der Zeit, (ca. um 1350) als Till Eulenspiegel seinen Schabernack in Einbeck trieb, war die Hanse-Stadt das Zentrum der mittelalterlichen Braukunst. Bier war ein sehr begehrtes Tausch– und Handelsobjekt. In Einbeck wurden zeitweise 700 Brauereien gezählt.
Damit Sie, liebe Leser, sich nicht mopsen, soll hier erst ein mal Schluss sein. Sollte allerdings Ihr Wissensdurst nicht gestillt sein, können Sie sich gern mehr und andere Redensarten rund um den Hund erklären lassen.
Zu den Quellenangaben der Redensarten und Zitate 
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