| Tagebuch –2– | | weitherzig — oder darüber muss man wohl kein Wort verlieren |
Vor 4 Monaten ist mein Herrchen aus dem Verein ausgetreten, der sich über ein Jahrzehnt um meine Ausbildung sorgte. Und was soll ich Euch sagen? Der Vorstand ist so weitherzig, dass man Herrchen nicht die Vereins–Einkaufsberechtigungen entzogen hat. Der große Vorsitzende wird wieder seinen Lieblingsspruch deklamieren: "Darüber muss man wohl kein Wort verlieren" und die graue Eminenz des Vereins lacht beipflichtend. Und auch Herrchen freut sich......
Heute haben wir den 11. 11.? Die Narren sind los – ich wünsche Euch eine fröhliche Faschingszeit. | | Ich bin ein LuxusHund geworden |
Nicht dass ich mit Edelstein verzierte Halsbänder trage, das nicht. Immerhin habe ich jetzt meine eigene Köchin. Aber das ist eine längere Geschichte. Angefangen hat es damit, dass ich meine Leute wegen Durchfall ein paar Mal hintereinander, bevorzugt nachts, auf die Straße jagte. Bei Durchfall bekomme ich dann ein Diätfutter aus Reis und Hüttenkäse. Echt lecker, schmeckt nicht schlecht. So auch diesmal und der Durchfall verschwand ganz schnell. Nur so bald ich wieder mein übliches Trockenfutter bekam, ging die Chose von vorne los.
Und wieder musste ich zum Tierarzt! Der fand bei dieser Vorgeschichte die Diagnose ganz schnell: eine Futtermittelunverträglichkeit, vielleicht sogar eine Allergie auf irgend einen Stoff in meinem Futter. Dann brachte mein Tierdoktor Frauchen zum Erschauern: In jedem Trockenfutter seien Milben drin. Wie leicht und häufig Milben, b.z.w. ihr Kot, Allergien auslösen können, habt Ihr vielleicht schon gehört. Es sind über 10% der Menschen gegen Hausstaubmilben allergisch. Da geht es uns Hunden wohl ähnlich wie den Menschen.
Frauchen wollte selbstverständlich nicht, dass ich weiterhin Kot von Milben futtere und sie beriet sich mit meinem Tierdoktor. Was soll ich Euch sagen? Jetzt kocht Frauchen für mich, für mich ganz allein. Mein Futter besteht nun zu je einem Drittel aus Getreide, Gemüse oder Obst und Eiweiß. Boah! Was ist jetzt für eine Abwechslung in der Futterschüssel! Mal gibt´s Fleisch, mal Fisch, mal Quark, dazu mal Linsen, mal Kartoffeln, mal junges Gartengemüse und Reis oder Nudeln. Einfach köstlich! Wer will da noch Trockenfutter? Und wenn Frauchen was von Dosenfutter murmelt, dann schaue ich sie ganz empört an. Ob´s hilft? ´ | | Doping versus schöne Kleidchen |
So etwa zu Beginn der Tour de France bemerkte Frauchen einen glitzernden Tropfen an meiner Penisspitze. Frauchen tupfte einmal, tupfte 10 Minuten später wieder und noch einmal. Und schwuppdiwupp! — ehe ich mich versah — war ich beim Tierarzt und musste so eine schreckliche Männeruntersuchung über mich ergehen lassen. Ich war aber so tapfer, dass Frauchen mich lobte und ich sogar zwei Leckerlis von meinem Doktor bekam.
Die Diagnose war dann klar: Inkontinenz. Wie bei einem Wasserhahn, dessen Dichtung nicht mehr schließt, verliere ich ab und zu ein paar Tropfen aus meinem Wasserhahn, weil meine alten Muskeln nicht mehr so gut schließen. Eine mögliche Therapie wäre der Versuch des Muskelaufbaus mit Ephedrin gewesen. Mit anderen Worten: ich wäre gedopt worden. Wegen der Nebenwirkungen wollten das meine Leute aber nicht.
Frauchen machte sich im Internet, Apotheken und Sanitätshäusern schlau. Aber all die dort angebotenen Lösungen waren zu unbequem, eher für Hundemädchen gemacht oder passten meinem Luxuskörper nicht. Seitdem schneidert und stichelt Frauchen an hübschen, bequemen und weichen Hauskleidchen für mich.
Und was soll ich Euch sagen? Die Kleidchen sind so hübsch, dass ich überhaupt nicht traurig bin, nicht gedopt zu werden, auch wenn ich ohne Doping nie an der Tour de France teilnehmen kann. Meine liebe Freundin Anja hat mir jetzt ein Foto aus ihren Kindertagen geschickt. Wie sich unsere Farben gleichen! Sahen wir uns nicht zum Verwechseln ähnlich? Dabei sind wir nur ganz entfernt verwandt, Anja ist ein Bobtail-Mischling. | | Klangfarben des Hunde-Solos |
Seit über einem Jahrzehnt begrüßt mich ein Bekannter meiner Leute schon von Weitem, in dem er mir das Hunde-Solo entgegen schmettert. Er hat für mich Rossinis Katzenduett umgetextet und aus dem Duett ein Solo gemacht. Und ich bedankte mich artig, in dem Schwanz mit dem ganzen Hund wedelte. Dann hatte ich vor einiger Zeit aufhört zu wedeln und er fragte traurig, was los sei. Seitdem verwandelt er seinen weltberühmten Bass in die Klangfarbe eines Tenors und ich begleite ihn wieder mit schwungvollem, rhythmischem Schwanzwedeln. Auch setzt er jetzt seine Sonnenbrille ab, die er fast immer trägt, damit ich ihn besser erkennen kann. Ist das nicht lieb? | | Klangfarben oder die Schwerhörigkeit |
Vor einem Jahr bemerkte Frauchen, dass sich meine Klangwelt veränderte, dass ich schwerhörig wurde. Ich hatte aufgehörte, auf, Martinshörner vor meiner Nase mit sonoren Geheul zu begleiten und stimmte auch nicht mehr in den Sammelruf anderer Hunde ein. Nach den ersten Anzeichen der Schwerhörigkeit fingen meine Leute sofort an, verstärkt mit Sichtzeichen zu arbeiten. Die Gesten meiner Leute verstehe ich mittlerweile so gut wie früher die gesprochenen Kommandos. Zeichensprache ist eigentlich was ganz nettes, weil ich Herrchen und Frauchen, und sie mich, kaum noch aus den Augen lassen und dadurch eine neue Verbundenheit wuchs. Rituale – wir Hunde lieben Rituale – helfen mir auch stark bei der Orientierung und Verständigung.
Ganz taub bin ich immer noch nicht, vor allem tiefe Töne höre ich nicht mehr. So habe ich schon manches Gewitter verschlafen und ein kleines Feuerwerk regt mich auch nicht mehr auf. Klingt hingegen Glas an Glas, werde ich sofort hell wach.
Der schönste Moment am Tag ist, wenn Herrchen nach Hause kommt. Früher hörte ich schon den Schlüssel in der Haustür, heute müssen die Augen die Aufgabe der Lauscher übernehmen. Schon Stunden vor seiner Heimkehr beobachte ich die Wohnungstür. Nur wenn dann der Termin da ist, bin ich garantiert eingeschlafen und werde deshalb heimlich ausgelacht. Lacht man Hunde aus? Ist doch echt uncool, oder?
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