Trennungsangst beim HundErerbtes und Erlerntes können sich potenzieren!von Manfred HardtkeErbanlagen eines Rudeltiers, nun im Familienverband lebendDie Lebenserfahrung wächst auf Vertrauensbasis zu erwachsenen Tieren; nun sind wir gefordert. Die Wurfhöhle (Geschwister ⁄ Mutti) bietet bei Unsicherheit ⁄ Furcht vollständige Geborgenheit.
Erlebter Rechtsanspruch auf Anwesenheit von Sozialpartnern (Mutti, Geschwister, Rudel, Kindermädchen, Züchter mit Familie.) Verstärkend wirkt Aufregung vor dem Weggehen durch intensive Verabschiedung; mit der Ankunft durch Freude, Ärger (Schimpfen), Futter, Spiel. Alleine bleiben muss individuell erlernt werden (mit Ausnahmen). Mutti im Rudel entfernt sich auch bereits während der ersten 21 Lebenstage ihrer Welpen aus der Wurfhöhle (Kot ⁄ Urin, Nahrung, Sozialstatus im Rudelverband und andere Gründe). Dem Haushund ist sein Wohnungsverhalten oftmals freigestellt (trotz guter Vorsätze). Mitbewegen oder nicht, Mensch als Pförtner und Schüsselfüller, Personenauswahl (Kontakt). Problemlösung liegt bei uns MenschenFür Lernsituationen werden wir den Hund in der Wohnung anleinen. Der Idolmensch bleibt (mit Leinenkontrolle), Stellvertreter gibt Hand– und Hörzeichen "Bleib" und entfernt sich sogleich danach – warum auch nicht? Wir Menschen handeln emotionsfrei – das Normalste von der Welt demonstrieren wir unserem Hund und erleichtern ihm somit die Lernprozesse. Tage später werden die Rollen getauscht. (Hund sammelte bis dahin Lebenserfahrung). Zwischendurch kann Mensch Beta auch mal die Leine aufnehmen und den Hund mitnehmen. Mensch Alpha bestätigt diesen Vorgang kurz. Bei Angst oder Furcht helfen Hilfsmittel nicht immer wirklich"Gutgemeinte" Ablenkungen für den Hund (Futter, Spiel, Streicheln) nur im (Gewohnheits–) Notfall für wenige Augenblicke – Alltagshandlungen der dableibenden Menschen mit Pausencharakter sind effektiver. Der Mensch Alpha (im Hundekopf) kann Radio, FS, Kassettenstimme – ein getragenes Bekleidungsteil, einen Kauknochen einfließen bzw. probeweise über– lassen. Erregt sich Hundi sehr (bellt, untersucht – zerreißt, bewacht), unterbricht die Rasselbüchse im Anfangsstadium sein Tun – mehr nicht. Wir verlassen wortlos mit Hund das Zimmer, parken ihn an ruhiger Stelle und stellen den Ursprungszustand des Zimmers wieder her. Ohne Trennungsangst für Sekunden – Minuten – StundenBleibt unser Hund zum ersten mal alleine im Zimmer (Beta war noch bei ihm), befestigen wir seine Leine inzwischen wieder so, dass er den (von uns vorgeschlagenen und) von ihm ausgewählten Ruheplatz aufsuchen kann. Anfangs behalten wir Blick- bzw. Stimmkontakt zum Hund. Verlassen und Betreten des Zimmers bei offener Tür. Öffnungswinkel wird von mal zu mal kleiner. Hand- und Hörzeichen "Bleib" vor unserem Entschluss zu gehen sowie ein kurzes "alles okay" bei unserer Rückkehr ist alles was wir tun, außer den alltäglichen Handlungen im Zimmer. Nach einigen Minuten beziehen wir den Hund, so ganz nebenbei, in unser Handeln mit ein. Unregelmäßig beginnen wir direkt nach Rückkehr, zu unserem Hund für 10 Sek. mit Fellpflegehandschuh oder weicher Bürste kontrollierten Körperkontakt zu erarbeiten.
die Folge können:
Lernen – für das LebenGanz ähnliche Lern-Situationen (s.o.) gestalten wir auch, wenn wir (mit Hund) zu Besuch sind oder an ausgewählten Örtlichkeiten während unserer Spaziergänge. Dort können wir durchaus schnellere Lernfortschritte erzielen, als zu Hause. Unsere Richtschnur bilden jedoch die Verhaltensweisen und Lebenserfahrungen im häuslichen Umfeld. Im Freien trainieren wir zugleich auch, dass unser angeleinter Hund sich ruhig und entspannt verhält, wenn wir zu ihm zurückkehren. Da sein Bewegungsspielraum genau definiert ist, können wir exakt unsere Körpersprache und Distanz als Hilfsmittel zur Minderung seiner Erregung einsetzen. Ein gemeinsames kurzes Laufspiel mit dem Hund (rechtzeitig bei Lernfortschritten!) löst seine (gewohnheitsbedingte) Anspannung. Kontrollverlust oder TrennungsangstStress durch Separation entsteht zunächst einmal mit jeglicher Trennung vom Familienrudel. Sogar unser Büroschlaf leidet darunter! Erfahrene Alttiere verlassen ohne erklärende Abmeldung den Rudelbereich und kommen (nach getaner "Arbeit") einfach nur wieder dahin zurück. Rangniederen stehen diese Rechte – aus guten Gründen – nicht zu. Sie bewegen sich kontrolliert und geschützt zugleich. Unser Ziel besteht somit darin, das Recht unserer freien Bewegungsspielräume zurück zu erobern. Trennungsangst – beim Spaziergang oft allzu menschlich !!!Kriterium für uns (als Rudelverantwortliche) ist ein gemäßigtes Erregungsniveau im Team. Denn jegliche Form von Erregung (allgemeine Ängstlichkeit, Unsicherheit, Wut, Frustration, Motivation, Freude oder Furcht vor etwas Konkretem) behindert die eigenen Lernprozesse und den Informationsaustausch der Gruppe. Ausreichende Beschäftigung des Hundes (Laufen am Rad? – Suchen von Spielzeug oder Person!) mit anschließender individueller Ruhepause bereiten unseren Hund gut auf das Alleinbleiben vor. Natürlich kann er sich, ebenfalls vorher, von Pfützchen und Häufchen lösen. Auch Kurzruhephasen – gemeinsam – getrennt mit Kontakt – jeder separat – üben wir täglich vielfach unter wechselnden Bedingungen im Verlauf des normalen Geschehens. Mein Hund w i l l nicht alleine sein?Wir leiten unseren Hund an, die ihm von den lebenserfahrenen, menschlichen "Alttieren" übertragenen Aufgaben in vollstem Vertrauen zu absolvieren. Einige gemeinsam unter unserer Regie bzw. mit uns als Vorbild, andere auch mal nur in unserem Auftrag. In diesem Fall: ohne Stress alleine zu verweilen, bis die anderen ihre Jobs erfüllt haben. Mancher Tierarzt könnte uns ganz individuell helfend beraten:
Weinböhla, im November 2008 |